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5 Fragen zur Wollgewinnung

Wolle stand in den letzten Monaten sehr in der Aufmerksamkeit der Medien. Auch große Unternehmen wie Adidas und Under Armor richteten wegen ihrer vorteilhaften Eigenschaften den Fokus auf die Faser und haben langfristige Lieferverträge geschlossen. In diesem Blogbeitrag beantworte ich 5 Fragen zur Wollgewinnung gerade im Hinblick auf das Scheren von Schafen und Mulesing.

Werden Schafe für Ihre Wolle getötet?

Nein.

Ist das Scheren wirklich notwendig?

Wolle besteht aus Keratin. Das ist das gleiche Material, aus dem Hörner, Klauen und auch unsere Fingernägel sind.
Die Wolle muss geschnitten werden – normalerweise einmal im Jahr. Scheren hält das Schaf gesund und sorgt für die gute Belüftung der Haut und regt den Stoffwechsel an. Die Wolle wächst immer weiter und wenn man das Schaf nicht regelmäßig schert, kann die Wolle nicht nur die Bewegung des Schafes einschränken, sondern auch Überhitzung oder Gleichgewichtsprobleme verursachen.

Je länger die Wolle wächst, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß Fliegen ihre Eier im Schaffell ablegen. Die daraus resultierende Myasis ist eine sehr grausame Krankheit und einer der Hauptgründe die Schafe zu scheren.

Ist Scheren grausam oder brutal?

Schafe empfinden Stress, wenn man sie schert. Das ist messbar durch den Cortisolspiegel im Blut. Das Scheren dauert etwa vier Minuten. Auf das Jahr betrachtet, ist das deutlich kürzer als Stress und Angst durch zum Beispiel Gewitter. Und es sorgt für das Wohlbefinden des Schafes.

Zahnarztbesuche sind vergleichbar bedrohlich und dauern länger, trotzdem würdest Du Deinen Kindern den Zahnarzt nicht ersparen.

Gibt es angenehmere Wege, die Schafe zu scheren?

Scheren ist eine handwerkliche Tätigkeit, zu der es bisher keine automatisierte Alternative gibt. In Australien hat man 10 Millionen Dollar investiert, um eine komfortablere Lösung zu entwickeln. Diese soll sogar Robotik-Elemente enthalten. Dennoch bleibt es schwierig und ist derzeit noch nicht funktionstüchtig, weil die Schafe und ihre Felle und Häute so unterschiedlich sind. Die Roboter müssen Daten sammeln und auswerten, um die Schafe nicht zu verletzen. Außerdem dauert die automatisierte Wollernte bisher 15 Minuten und dem Schaf mussten die Beine zusammengebunden werden.

Die angenehmste und schnellste Weise, ein Schaf zu scheren, ist also immer noch ein geübter Scherer.

Stichwort Mulesing. Sollte ich Wolle aus Australien vermeiden?

Mulesing ist ein Prozess, der 1927 vom Australischen Schafscherer John Mules entwickelt wurde. Während er ein Schaf scherte, dass schon von Fliegen befallen war, schnitt er aus Versehen auch Hautlappen um den Schwanz des Schafes herum ab. Später stellte er fest, dass der Fliegenbefall nicht wiederkehrte. Er entwickelte das weiter und wegen des Erfolges übernahmen andere Farmer diesen Prozess.

Das Problem: Mulesing wurde häufig ohne Betäubung durchgeführt – Deshalb geriet richtigerweise es in den Fokus vieler Tierschützer und die globale Aufmerksamkeit.

Merino-Schafe auf der Weide

In den letzten Jahren haben viele Farmer erkannt, dass es andere und tierfreundlichere Wege gibt.
Mehr als ein Fünftel der Australischen Farmen, die Mulesing betreiben, betäuben Ihre Tiere, so dass diese keine Schmerzen mehr empfinden.

Neuseeland hat im Oktober 2018 Mulesing komplett abgeschafft. In Australien wächst die Zahl der mulesingfreien Farmen stetig. 2016 waren das 9,2% der Australischen Schaffarmen.
Garnhersteller, die die Label RWS (Responsible Wool Standard) oder GOTS (Global Organic Textile Standard) tragen, beziehen ihre Fasern von mulesingfreien Farmen. Die Lieferkette ist lückenlos nachverfolgbar.

Besonders kleine Farmen sind bekannt dafür, gute Wollqualitäten zu liefern und ihre Schafe gut zu behandeln. Sie haben ein deutliches Bewusstsein dafür, dass Schafe ihr Vermögen sind und behandeln sie gut.

Quelle: Clara Parks für Yarn Market News

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